Von Dawei, Myanmar nach Thailand über den Grenzübergang Htee Khee – Phunaron

9. Februar 2020 Aus Von Evelyn@Rucksackreiseblog

Von Dawei aus gibt es fünf Möglichkeiten, um nach Thailand einzureisen:

  1. Bus oder Flug nach Yangon, von dort Flug nach Bangkok
  2. Bus nach Mawlamyaing, dort zwischenübernachten. Dann per Bus zum Grenzübergang Myawaddy – Mae Sot
  3. Flug von Dawei nach Kawthaung, dann den südlichen Grenzübergang Kawthaung – Ranong nehmen.
  4. Von Dawei per Bus nach Süden bis Kawthaung, mit Zwischenübernachtung in Mergui. Hier sollte Zeit eingeplant werden, denn der tiefe Süden von Myanmar ist noch wenig erschlossen. Busse fahren nicht täglich, die Straßen sind schlecht.
  5. Bus zum Grenzübergang Htee Khee – Phunaron, den abgelegensten der Grenzübergänge zwischen Myanmar und Thailand.

Wir entscheiden uns für Möglichkeit 5): den geografisch nächsten, aber abgelegensten der Grenzübergänge zwischen Myanmar und Thailand: Htee Khee / Phunaron. In unserem Guesthouse in Maungmagan Beach buchen wir ein Busticket bis Kanchanaburi, mit „pickup“ (Shuttle vom Hotel zum Busterminal). Wir bezahlen für 2 Personen 84.000 Kyat (ca. 53 €). Von Dawei aus ist das Ticket günstiger, zu zweit ca. 76.000 Kyat (ca. 48 €).

Am nächsten Morgen zwischen 6:30 und 7:30 Uhr soll unser “pickup“ kommen. Um 7:25 Uhr fährt ein Offroad Pickup die Auffahrt hoch, ein Toyota Hilux. Wir werfen unsere Rucksäcke auf die Ladefläche und steigen ein. Was folgt, ist eine kleine Odyssee durch Dawei. Erster Stopp: der Fahrer kauft Betelnuss. Zweiter Stopp: der Fahrer hält bei einem Lebensmittelladen in der Innenstadt, holt bei der Inhaberin einen Luftpostbrief ab und lädt eine Kiste mit Hochprozentigem auf. Dritter Stopp: bei einem Guesthouse steigt ein dritter Backpacker hinzu. Vierter Stopp: bei einer älteren Dame werden weitere Kisten mit Hochprozentigem aufgeladen. So langsam machen wir uns Gedanken, den Bus zur Grenze zur verpassen. Als der Fahrer hinten auf der Ladefläche alles mit einer grünen Plane abdeckt, auch unsere Rucksäcke, überlegen wir, ob uns der Fahrer eventuell selbst zur Grenze fährt – wir lassen uns überraschen. Fragen können wir ihn nicht, da er kaum englisch spricht. Fünfter Stopp: in einer kleinen Gasse eines Wohngebiets von Dawei stehen drei Tuktuks mit einem Haufen Kisten, Möbeln und Einrichtungsgegenständen, hier findet offenbar ein Umzug statt. Unser Fahrer hält und lädt alles auf. Außerdem steigt eine Frau mit dem typischen „thanaka“ auf den Wangen (birmanisches Makeup aus geriebener Baumrinde) mit ihrem Kleinkind auf die Ladefläche. Spätestens jetzt sind wir sicher: das hier IST der Bus zur Grenze.

Auf den ersten Kilometern ist die Straße noch asphaltiert, in zahlreichen Kurven windet sie sich ins Gebirge hoch, nur noch vereinzelt gibt es Dörfer. Schon bald endet die asphaltierte Straße, eine gut ausgebaute, aber holprige und staubige Schotterstraße beginnt. Je weiter sich der Pickup von den Dörfern entfernt, desto weniger Müll liegt am Straßenrand, desto schöner wird die Landschaft. Wir überqueren Zuflüsse des Tanintharyi River über provisorische Brücken, die nur aus zwei stählernen Fahrrinnen für die Räder der Geländewagen bestehen. An einer kleinen Raststätte mitten im Nirgendwo hält der Fahrer: Pause. Er bringt die Birmanin und das Kleinkind, welche die beschwerliche Reise auf der Ladefläche hinter sich gebracht haben, irgendwo hin, und verspricht uns „come back, come back“. An der Raststätte gibt es verschiedenen Eintopfgerichte , zu denen Reis serviert wird. Wer kein Fleisch möchte, findet an den meisten dieser Raststätten in Myanmar auch reine Gemüsegerichte. Wir setzen uns mit dem jungen Backpacker aus Deutschland zusammen. Als unser Fahrer alleine zurückkommt, sind alle Kisten abgeladen, der Umzug offenbar erfolgreich vollzogen. Nach zahlreichen Kurven und schönen Ausblicken auf den Tanintharyi Fluss und die bewaldeten Berge kommen wir ca. 13:30 am Birmanischen Grenzposten an. Ohne die Odyssee durch Dawei ab, hat die Fahrt bis hier 5 Stunden gedauert.

Wir beide und der junge Backpacker sind die einzigen Ausreisewilligen an diesem einsamen Grenzübergang. Im kleinen Grenzbüro sitzen drei freundliche Grenzbeamte mit ihren Stempeln, ein Ventilator läuft, es gibt ein Regal mit acht Aktenordnern und losen Papierstapeln, am Boden liegen zwei schlafende Hunde. Man bietet uns einen Stuhl an, während die Beamten in Ruhe unsere Ausreiseformalitäten erledigen. Von hier führt der Weg zum thailändischen Grenzposten 4 km durch Niemandsland. Je mehr wir uns dem thailändischen Grenzposten nähern, desto industrialisierter ist das Bild, welches sich uns bietet: geteerte Straßen, neue, betonierte Häuschen für die Grenzabfertigung und ein Einkaufszentrum warten auf Einreisende, nichts davon ist schon in Betrieb, alles ist neu. Myanmar plant, den Hafen von Dawei zu einem wichtigen Tiefseehafen auszubauen, offenbar hängen diese Neubauten mit damit zusammen. Der Fahrer zeigt auf die moderne Welt vor uns und sagt „Thai ready.“ Er atmet tief durch, blickt hinter uns zur Schotterstraße und ergänzt „Myanmar not ready“. Mit diesen Worten lässt er uns aussteigen, zeigt uns, wo 100 m entfernt der thailändische Grenzposten wartet, und winkt uns nachdenklich hinterher.

Die zwei gutgelaunten thailändischen Grenzbeamten freuen sich, dass mal jemand einreisen möchte, umso mehr als wir ein, zwei Worte auf Thai sagen können, wie hallo und danke. Als sie uns fragen, ob der junge Backpacker unser Sohn sei, brechen wir alle fünf in herzliches Gelächter aus. Was für ein Unterschied zur Einreise nach Thailand am riesigen Suvarnabhumi-Flughafen in der Millionen-Metropole Bangkok! 200 m weiter ist eine Bushaltestelle. Das Busticket von hier bis Kanchanaburi ist im Ticketpreis inkludiert, der Bus fährt stündlich. Nach ca. 2,5 Stunden Busfahrt über gut ausgebaute Straßen erreichen wir um 16:30 das Ziel: das Busterminal von Kanchanaburi. Wir verabschieden uns vom Backpacker: er bleibt im Bus und fährt weiter bis Bangkok.

Für Abenteuerlustige ist die Einreise über den Grenzübergang Htee Khee ist eine gute, vergleichsweise schnelle und günstige Möglichkeit, von Dawei aus nach Thailand einzureisen.

Wo bitte geht’s hier zum Grenzübergang? Nicht einmal Google Maps kennt die Straße von Dawei zum Grenzübergang Htee Khee / Phunaron